Was wir gegen die Lebensmittelverschwendung machen können.

Food Waste wird immer mehr zum Thema.

In der Schweiz tut sich in diesem Bereich einiges: Die Food-Waste (Lebensmittelverschwendung) Bewegung hat hier Fuß gefasst und der Verschwendung von Lebensmitteln den Kampf angesagt.

Auf dem Weg vom Acker bis zum Kühlschrank geht in Europa etwa ein Drittel der produzierten Lebensmittel verloren. Auch viele der Lebensmittel, die es trotzdem bis in unsere Küchen schaffen, landen entweder vor oder nach dem Essen ebenfalls wieder im Müll. Besonders in den westlichen Industrieländern hat die Verschwendung von Nahrung mittlerweile ein erschreckendes Ausmaß erreicht.

Eine Statistik zum Vergleich: In westlichen Ländern gibt man rund 7 % des Einkommens für Essen aus, wovon 30 % weggeworfen werden. In Entwicklungsländern gibt man 70 % des Einkommens für Nahrung aus, davon landen aber nur etwa 3 % im Müll. Unser Respekt vor Nahrung scheint in der modernen Zeit stark verloren gegangen zu sein.

Wo kommt das ganze Essen hin?

Der Weg von der Produktion bis in die Küche ist für unsere Lebensmittel viel komplizierter und beschwerlicher als Endverbraucher denken. Denn bis das Essen endlich auf unserem Teller landet, verdirbt ein großer Teil davon. Warum und wo die Verluste anfallen, sehen Sie in der folgenden Übersicht:

  • Landwirtschaft: Verluste durch Schädlinge und Wetter. Schon hier werden zu kleine Kartoffeln und unförmiges Gemüse aussortiert. 27 % werden entsorgt.
  • Lagerung und Transport: Lange Transportwege und schwankende Lagertemperaturen führen zu Schwund und Fäulnis. 9 % werden entsorgt.
  • Verarbeitung: Verluste durch tierische Nebenprodukte wie z. B. Innereien. 18 % werden entsorgt.
  • Groß- und Detailhandel: Abgelaufene Waren werden entsorgt, auch wenn sie nicht verdorben sind. 9 % werden entsorgt.
  • Konsum: Food Waste ist der englische Begriff für Nahrung, die zwar für den Menschen produziert, aber nicht gegessen oder getrunken wird. Ganze 37 % davon werden entsorgt!

Übrigens zahlt sich das Vermeiden von Lebensmittelabfällen aus. Ein durchschnittlicher Haushalt in der Schweiz wirft pro Jahr Lebensmittel im Wert von 1000 bis 2000 Franken in den Abfall. Wer also sorgfältiger mit Lebensmitteln umgeht, vermeidet, dass Essen im Müll landet, schont die Umwelt und seine Geldbörse.

Welche Projekte gibt es gegen Food Waste in der Schweiz und europaweit?

Food Waste wird in den meisten industrialisierten Ländern immer mehr zum Thema. In der Schweiz z. B. sind einige Projekte zur Verminderung der Lebensmittelverschwendung ins Leben gerufen worden. Hier ein paar Beispiele:

Verein Neugarten: Der Verein hat im Luzerner Kulturbetrieb Neubad einen Kühlschrank aufgestellt. Er enthält Obst und Gemüse, das im Detailhandel nicht mehr verkauft werden kann. Aus diesem darf sich jeder einfach etwas nehmen – kostenlos. Das Projekt trägt den Namen „Food Save Luzern“ und soll auf die Lebensmittelverschwendung in der Schweiz aufmerksam machen. Mit dem Kühlschrank bietet der Verein eine konkrete Handlungsmöglichkeit und zeigt einen Weg auf, das Problem anzupacken.

Die Tafel: In Österreich und Deutschland gibt es das Projekt „Die Tafel“. Die Organisation holt Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, von Supermärkten und zum Teil auch aus Restaurants ab und verteilt sie an bedürftige Menschen. So landen sie nicht im Müll, sondern werden konsumiert. Die Mitarbeiter der Tafel sind immer auf der Suche nach neuen Lebensmittelspendern und arbeiten ständig daran, ihr Netzwerk weiterzuentwickeln. Wenn Sie Bäcker, Metzger, Caterer, Imbiss- oder Take-away-Betreiber sind und sich aktiv an der Tafel in Österreich oder Deutschland beteiligen und Ware, die nicht mehr verkauft werden kann, spenden wollen, dann melden Sie sich doch bei der Tafel oder einem ähnlichen Projekt. Es hilft Menschen, die nicht so viel haben, es hilft der Umwelt und zeigt Ihr soziales Engagement: Sie wirken der Lebensmittelverschwendung entgegen und unterstützen gleichzeitig armutsbetroffene Menschen.

Die Äss-Bar in Zürich und Bern: Hier geht es um die Erschaffung spezieller Verkaufsstellen, die Backwaren vom Vortag zu einem stark vergünstigten Preis verkaufen. Dieses Projekt arbeitet mit verschiedenen Bäckereien aus dem Großraum Zürich und Bern zusammen, um gegen die heftigen Lebensmittelverluste anzugehen. Konsumenten können sich dank dieser Verkaufsstellen bewusst dafür entscheiden, etwas gegen die Verschwendung zu tun. Größere Bestellungen werden sogar nach Hause geliefert. In Zürich gibt es zurzeit 3 Läden, einen in Bern und einen in Winterthur. Die Verkäufer garantieren die einwandfreie Qualität der Backwaren, also nichts wie hin!

Wie verschwenden wir weniger Lebensmittel?

Wir können einiges tun, um unseren Konsum verantwortungsvoller zu gestalten. Wer z.B. einen erfolgreichen Gastronomiebetrieb leitet, lässt sich gerne von Gastro-Kritikern auszeichnen. Eine spezielle und vielleicht sogar nachhaltigere Auszeichnung ist aber, wenn Ihre Gäste Sie bitten, übrig gebliebenes Essen einzupacken. Diesen Gästen hat es geschmeckt, und sie kommen wieder. In einem solch glücklichen Fall sollten Sie die richtigen Mitnahmebehältnisse zur Hand haben. Ideal ist es natürlich wenn man den Gast aktiv auf diese Dienstleistung hinweist. RAUSCH bietet eine große Auswahl an praktischen Mitnahmeboxen und anderen To-Go-Verpackungen. Die Boxen sind lebensmittelecht und je nach Ausführung sogar für die Mikrowelle geeignet. Ausserdem können sie mit Ihrem eigenen Design versehen werden.

Zuhause hilft es, wenn man bewusster einkauft, sich eine Einkaufsliste macht und grundsätzlich seine Lebensmitteleinkäufe besser plant. Ein Tipp ist auch, nicht mit einem Hungergefühl einkaufen zu gehen. Das endet oft mit einem übervollen Einkaufswagen. Im Supermarkt locken eben zudem günstige Angebote zur Abnahme von größeren Mengen. Hier sollte man prüfen, ob man die Ration auch wirklich verzehren kann. Wichtig ist daneben, die Lebensmittel richtig aufzubewahren, damit sie länger halten und z. B. vor Gefrierbrand geschützt sind. Beim Kochen sollte man passende Portionen zubereiten, damit möglichst wenig übrig bleibt. Zwischen dem „Verfallsdatum“ und dem „Mindesthaltbarkeitsdatum“ zu unterscheiden, ist ebenfalls ein großer Sparpunkt: Nur weil ein Lebensmittel das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, gehört es längst nicht in den Müll! Deswegen enthält es das Wort „mindestens“.

Wussten Sie, dass

... die internationale Food Waste Bewegung ihre Wurzeln in Zürich hat? Der Winterthurer Verein „Tischlein deck dich“ versorgt seit 1999 armutsbetroffene Menschen mit Gerichten, die aus überschüssigen Lebensmitteln aus dem Handel gekocht werden.

... der Schweizer Verein „Tischlein deck dich“  einen Rekord aufgestellt hat? 2014 verteilte die NPO 2.900 Tonnen Essen an Armutsbetroffene. Das waren 250 Tonnen mehr als im Vorjahr.

... die Zürcherin Lauren Wildbolz sich vor zwei Jahren einen Namen machte, indem sie 2 Wochen lang täglich für 50-70 Personen ein kostenloses Menü aus weggeworfenen Lebensmitteln zubereitete? Seither kocht sie edle mehrgängige Menüs für diverse Restaurants, unter dem Motto „Frisch aus dem Müll“.

... es ab April das „Food-Bike“ in Zürich gibt? Hier setzen sich drei Aktivisten gegen die Schönheitsideale bei Obst und Gemüse ein, indem sie die Ware in der ganzen Stadt anbieten. Recht haben sie! Wen interessiert es, ob eine Gurke zu krumm ist oder nicht? Sie wird ja schließlich nicht in der Vogue abgebildet, sondern in den Salat geschnipselt ...

... eine internationale Gruppe von Master-Studenten aus weggeworfenen Lebensmitteln FoPo Food Powder herstellen, ein pulverisiertes Nahrungsmittel, das den Hunger in der Welt bekämpfen soll ...

... die britische Industriedesignerin Solveiga Pakstaite ein intelligentes Etikett entwickelt hat, das anzeigt ob ein Lebensmittel tatsächlich verdorben ist, oder ob man es noch bedenkenlos essen kann ...